Selbsthilfegruppe für Frauen mit postpartaler Depression
Aus dem Jahresbericht 2008, diese Gruppe hat sich inzwischen aufgelöst.
Nicht jede Frau erfährt nach der Geburt ihres Kindes das grosse Glück, Mutter geworden zu sein. Bei ca. 10-15% der Frauen entwickelt sich im Verlauf der ersten Monate eine postpartale Depression (ppD). Für die betroffene Frau und ihr Umfeld ist die Belastung sehr gross. Die ppD ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die unbeidingt behandlungsbedürftig ist. Eingesetzt werden psychotherapeutische Verfahren wie auch Antidepressiva.
Ich erkrankte kurze Zeit nach der Geburt meiner dritten Tochter daran. Bald merkte ich, dass es nicht so war, wie ich es kannte. Ich verspürte eine unerklärbare Traurigkeit, weinte oft und ohne Grund, hatte kaum mehr Energie und alles Gewohnte war schwierig geworden. Ich brauchte einige Zeit, bis ich mit jemandem darüber sprach. Niemand wusste genau, was mit mir los war, bis ich bei einem Vortrag "Krise nach der Geburt" von der ppD gehört hatte. Danach entschloss ich mich, etwas dagegen zu unternehmen. So konnte und wollte ich nicht mehr weiter leben.
Da es damals keine geeigneten Anlaufstellen für betroffene Frauen gab, gründete ich mit einer Kollegin und einer Hebamme diese Selbsthilfegruppe. Herr Dr. Zühlke, Chefpsychiater vom Spital in Burgdorf, unterstützte uns in den Anfängen sehr. Auch heute ist er immer bereit, uns mit Rat und Tat beizustehen. Der Aufbau dieser Gruppe und die vielen Gespräche waren für mich die unterstützende Therapie.
Wir starteten im Feburar 2001 das erste Mal mit einer kleinen Gruppe. Wir merkten sofort, wie dringend nötig eine Anlaufstelle für diese Frauen ist. Im Laufe der Zeit kamen und gingen Frauen, solche die akut betroffen und solche die am gesunden waren. Die Mischung ist sehr wichtig, weil es den erkrankten Müttern zeigt, dass diese schwierige Zeit vergeht und "Frau" wieder gesund wird. Die Frauen besuchen die Gruppe längstens ein Jahr. So lange dauert es ungefähr, bis sie sich wieder stabilisiert haben. Die Gruppe bietet die Möglichkeit für Gespräche, das ist sehr wichtig für den Prozess des Gesundwerdens. Wir treffen uns jeden dritten Donnerstag in Burgdorf. Mittlerweile ist das Krankheitsbild der postpartalen Depression bekannter geworden und es getrauen sich immer öfter Frauen darüber zu sprechen. Es ist wichtig, dass erkrankte Frauen so schnell wie möglich Unterstützung erhalten. Ich habe die Ausbildung zu Doula (Begleiterin in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett) gemacht, um eine ganz persönlich und längerfristige Begleitung anbieten zu können. Nach acht Jahren bin ich immer noch verbunden mit diesem Thema und möchte betroffenen Frauen in der Selbsthilfegruppe beistehen und ihnen mit meiner Erfahrung dienlich sein.

